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Das deutsche Vergaberecht setzt die einschlägigen EU-Richtlinien um. Diese Rechtsvorschriften entsprechen dem GPA. Das Vergabegericht entscheidet innerhalb von fünf Wochen nach Eingang des Antrags schriftlich und begründet dies. In Ausnahmefällen kann der Vorsitz diese Frist um höchstens zwei Wochen verlängern. In der Praxis halten sich die Vergabegerichte jedoch häufig nicht an diese Fristen. Gemäß Abschnitt 6 der Verordnung dürfen Mitglieder des Exekutivorgans oder Mitarbeiter des öffentlichen Auftraggebers oder eines Im Namen des öffentlichen Auftraggebers handelnden Beschaffungsdienstleisters nicht an einem Vergabeverfahren teilnehmen, wenn ein Interessenkonflikt vorliegt. Ein solcher Interessenkonflikt besteht, wenn eine Person,die (potenziell) am Vergabeverfahren der Behörde beteiligt ist, ein unmittelbares persönliches Interesse am Ergebnis des Verfahrens hat, das ihre Unparteilichkeit oder Unabhängigkeit gefährden könnte. Die Behörde darf einen Teilnehmer oder Bieter nur ausschließen, wenn der Interessenkonflikt nicht auf andere Weise behoben werden kann. Den öffentlichen Auftraggebern stehen keine spezifischen Minderungsmaßnahmen zur Verfügung. Nachdem ein Bieter eine Beschwerde beim öffentlichen Auftraggeber eingereicht hat, kann die Behörde jedoch vor einem Vergabegericht Schutzschrift einreichen, in der beschrieben wird, warum der öffentliche Auftraggeber die Beschwerde für ungerechtfertigt hält und warum ein möglicher Antrag auf Überprüfung beim Vergabegericht keine Aussicht auf Erfolg hätte.

Außerhalb des Anwendungsbereichs des EU-Rechts (d. h. unterhalb der einschlägigen EU-Schwellenwerte) unterliegt das öffentliche Auftragswesen im Allgemeinen dem Haushaltsrecht und soll weniger reguliert und flexibler sein. Die Rechtsprechung und die nationale Verordnung über das öffentliche Auftragswesen haben jedoch zu einer immer stärker aufeinander abgestimmten Regelung für das öffentliche Auftragswesen geführt. Bauaufträge unterliegen Teil A Kapitel 1 der Vertragsbestimmungen für die Vergabe öffentlicher Bauaufträge. Liefer- und Dienstleistungsaufträge werden (auf nationaler Ebene und in einigen Bundesländern) durch die Verordnung über die Vergabe öffentlicher Liefer- und Dienstleistungsaufträge unterhalb der EU-Schwelle geregelt. Darüber hinaus soll die Auftragsvergabe die Qualität verbessern und Innovationen ermöglichen, wirtschaftlich effizient sein und die Interessen kleiner und mittlerer Unternehmen berücksichtigen. Soziale und ökologische Aspekte sind ebenfalls zu berücksichtigen. Erste Rechtsbehelfe müssen bei den Vergabegerichten beantragt werden. Die Gerichte sind unabhängige Kammern mit einer gerichtsähnlichen Organisation. Zwei Bundesgerichte für öffentliche aufträge, die dem Bundeskartellamt angeschlossen sind, sind in der Regel für von Bundesbehörden eingeleitete Vergabeverfahren zuständig.